Ratgeber

Barrierefreie Website: Anbieter vergleichen — worauf es wirklich ankommt

Angebote zum Thema Barrierefreie Website sind schwer vergleichbar, weil jeder etwas anderes hineinschreibt. Die Fragen, die Unterschiede sichtbar machen — und die Warnsignale.

Angebot nach Anfrage3 bis 6 WochenStand 2026
Kurz gesagt

Beim Vergleich von Anbietern für Barrierefreie Website zählt weniger der genannte Preis als die Frage, was danach passiert: wer betreut das System nach dem Livegang, und was kostet eine spätere Anpassung. Das ist der Unterschied, der sich erst nach ein paar Monaten zeigt.

01 — Kriterien

Woran sich Angebote unterscheiden

  • Was genau enthalten ist. Zwei Angebote mit derselben Summe können völlig unterschiedliche Leistungen umfassen. Lasst euch den Umfang als Liste geben, nicht als Fließtext.
  • Wer was liefert. Inhalte, Bilder, Daten, Zugänge — wenn das nicht steht, wird es später zum Streitpunkt.
  • Was der Betrieb kostet. Über drei Jahre gerechnet, inklusive Lizenzen, Hosting und Betreuung.
  • Was passiert, wenn ihr wechseln wollt. Bekommt ihr Zugänge, Daten und Dokumentation? Die Antwort auf diese Frage sagt mehr über einen Anbieter als jede Referenz.
  • Wer tatsächlich arbeitet. Bei kleinen Anbietern ist das relevant: Wer sitzt im Gespräch, und wer macht es dann.

02 — Fragen

Fragen, die ihr stellen solltet

  • Was passiert, wenn das Projekt teurer wird als geschätzt — wer trägt das?
  • Wem gehören Daten, Zugänge und, falls entwickelt wird, der Quellcode?
  • Was kostet der Betrieb im zweiten und dritten Jahr?
  • Wie sieht die Dokumentation aus, die wir am Ende bekommen?
  • Woran würden Sie messen, ob das Projekt erfolgreich war?
  • Gibt es einen Fall, in dem Sie uns davon abraten würden?

03 — Warnsignale

Wann man skeptisch werden sollte

  • Garantierte Ergebnisse. Wer Platz eins bei Google oder eine bestimmte Umsatzsteigerung zusagt, verkauft etwas, das er nicht liefern kann.
  • Kein Nein. Ein Anbieter, der jedes Vorhaben für eine gute Idee hält, hat entweder nicht zugehört oder verkauft nur.
  • Zeitdruck. Befristete Rabatte auf Projektpreise sind ein Vertriebsinstrument, kein Angebot.
  • Unklare Eigentumsverhältnisse. Wer nicht klar sagt, wem Daten und Zugänge gehören, meint es nicht gut.
  • Kein Ansprechpartner mit Fachkenntnis. Wenn im Erstgespräch nur Vertrieb sitzt, entstehen die Missverständnisse dort.

04 — Umfang

Was dazugehört

  • Prüfung gegen WCAG 2.1 Level AA, automatisiert und von Hand
  • Tastaturbedienbarkeit über den gesamten Ablauf, inklusive Formularen
  • Kontraste, Schriftgrößen und Fokusdarstellung
  • Sinnvolle Alternativtexte und korrekte Überschriftenstruktur
  • Formulare mit Beschriftungen und verständlichen Fehlermeldungen
  • Prüfbericht und Barrierefreiheitserklärung als Nachweis

05 — Fragen

Häufige Fragen

Sind wir vom Barrierefreiheitsgesetz betroffen?

Das österreichische Barrierefreiheitsgesetz gilt seit 28. Juni 2025 und betrifft vor allem Onlineangebote im Verbrauchergeschäft: Onlineshops, Buchungen, E-Ticketing, Bankdienstleistungen. Kleinstunternehmen unter zehn Mitarbeitenden und zwei Millionen Euro Umsatz sind bei Dienstleistungen ausgenommen — beim Vertrieb von Produkten nicht. Eine reine Informationsseite ohne Verkauf fällt in der Regel nicht darunter.

Reicht ein Barrierefreiheits-Overlay?

Nein. Diese Einblendungen beheben die zugrunde liegenden Probleme nicht und werden von Betroffenenverbänden überwiegend abgelehnt. Sie können sogar zusätzliche Hürden schaffen. Barrierefreiheit entsteht im Markup, nicht in einer Ebene darüber.

Was passiert bei Verstößen?

Zuständig ist das Sozialministeriumservice. Verwaltungsstrafen bis 80.000 Euro sind vorgesehen. In der Anfangsphase wurde vor allem beraten statt gestraft, das ist aber keine Zusage für die Zukunft — Verfahren laufen bereits.

Was ist der häufigste Fehler?

Formulare ohne verknüpfte Beschriftungen und Bedienelemente, die sich nicht mit der Tastatur erreichen lassen. Beides fällt niemandem auf, der mit der Maus arbeitet — und macht die Seite für andere unbenutzbar.

Betrifft das auch PDF-Dokumente auf der Website?

Ja, wenn sie zentrale Informationen enthalten — etwa Preislisten oder Formulare zum Download. Auch PDFs müssen dann mit Struktur und Alternativtexten versehen sein.

Können wir das schrittweise umsetzen?

Ja, nach Priorität: zuerst die Mängel, die die Nutzung komplett blockieren, dann die, die sie erschweren. Das lässt sich über mehrere Etappen verteilen, ohne die Seite zwischenzeitlich offline zu nehmen.

Wie lange dauert eine vollständige Prüfung?

Für eine mittelgroße Website ein bis zwei Wochen, abhängig von der Anzahl unterschiedlicher Seitentypen und interaktiver Elemente wie Formulare oder Filter.

Nächster Schritt

Reden wir kurz darüber, ob sich das bei euch rechnet.

Ein Gespräch von zwanzig Minuten reicht meistens, um zu klären, ob ein Projekt Sinn hat. Wenn nicht, sagen wir das — das ist billiger für beide Seiten als ein Angebot, das niemand braucht.